GrosskapitalKein Winterdienst
Bei Schnee und Glatteis wird der Rhabarber nicht aktualisiert. Lesen auf eigene Gefahr.
26.11.05 . 13.07 . →
| Comments (2)
Pseudotetrapod
Seit ich das ibook habe, kämpfe ich mit einigen seiner erweiterten und altersbedingten Features. In Folge zunehmender Nervigkeit: grottiger WLAN-Empfang und selbstabstossende Füßchen. Ersteres ist lösbar, sofern man sich einfach in Sichtweite eines AP befindet und drei-vier andere Tricks beachtet. Letzteres war die Pest.
Apple hat unter den Fßchen die Schrauben zum Zugang zum Gehäuse verborgen und so auch der Unterseite des Gerätes ein sehr ästhetisches Erscheinungsbild verliehen. Wenn mensch die Füßchen allerdings rauspoppelt, um an die Schrauben zu gelangen, dann neigten die Rev.-C-Füßchen dazu, sich in zwei Teile zu trennen - Füßchen und Haltering. Auf den ersten Blick ist dieses Problem nicht erkennbar und die Füßchen scheinen auch wieder am Gehäuse befestigt zu sein. Aber, denkste! Kaum wird das iBook horizontal über eine Fläche mit einem Gleitreibungkoeffizienten > Ölfilm gezogen, neigen die Füßchen dazu, sich abzuwerfen. Im Klartext bedeutet es, das iBook einfach nicht über Flächen zu ziehen, oder eben jedesmal Füßchen einzusammeln. Blöderweise verdunsten die Dinger in atemberaubender Geschwindigkeit, wenn sie erstmal herausgefallen sind. Mindestens ein Füßchen wurde mir in der Unibib geklaut. Anfangs war ich sehr verwundert, dass irgendjemand innerhalb einer Stunde nachdem ich das Ding verloren habe und wiederholen wollte, das kleine popelige Ding auf dem Tisch gesehen, erkannt und einkassiert hat. Hey, so ein Füßchen ist etwa so gross wie ein Konfettischnipsel und nur unwesentlich dicker. Nachdem ich Wochen später allerdings alle bis auf den am Akku festgeklebten verloren hatte, war mein Blick bereits dermaßen geschult, dass ich zweifellos ein kleines popeliges Ding auf dem Tisch sehen, erkennen und einkassieren würde. Aus Bewunderung für den oder die FüßchendiebIn wurde kollegiales Verständnis und hej, auch ihm oder ihr würde das Ding mal abfallen und ich würde es eventuell als erster finden. Nun steht aber ein Gerät denkbar blöde, wenn es statt vier Beinchen nur noch eines hat. Ein iBook hat vier Beiner, an jeder Ecke einer. Wenn es drei wen'ger hätt, umfallen tät. Im Netz kursieren die Ersatzbeinchen zu verschiedensten Kursen. Bei iBäh kosten drei Stück beliebige Beträge zwischen 8 und 20 Euro zuzüglich Versand, bei Apple bekommt man entweder die Füßchen, oder ein ganzes Reparaturset mit vier (!) Füßchen und Superkleber und Anleitung und Schnickschnack, oder auch überhaupt nichts, je nach HotlinemitarbeiterIn und Land und Sonnenflecken für umgerechnete 0, 16 oder 24 Euro. Oder mensch bezog die Teilchen über den AASP des geringsten Misstrauens. In Ermangelung eines Telefons blieb mir also nichts anderes übrig, als mich an den Fachhandel für weiße, überteuerte, aber schnucklige Hardware zu wenden. Bei Gravis gibt's die Dinger für 2,98 Euro - alle drei notabene. Ich sollte eventuell mal in den Handel auf iBäh einsteigen. Und nun ratet mal, was ich gestern in der Unibib gefunden habe.
21.11.05 . 05.12 . →
| Comments (0)
Details
Erstens gab es bei Rossmann diese praktischen Flaschentaschen für hinterhergeworfen in robust und khaki, die sich vorzüglich für alles eignen, was in irgendeiner Form länglich und unhandlich ist und obendrein beim Transport nicht aneinanderscheppern sollte, also quasi Weinflaschen, Thermoskannen, Altglas, Bohrkerne und Werkzeug und Thermoskanne und, und, und. Sehr praktische Sache das. Habe ich ausserdem erwähnt, dass es die Taschen in khaki gab?
Zweitens habe ich ebenfalls dort ein Juwel des Industriedesigns wiedergefunden. Die klassische algemarin-Duschgel-Flasche. Wer sich jetzt mit mir nicht uneingeschränkt freuen kann, dem sei hier etwas Nachhilfe vergönnt: Algemarin ist nicht nur das beste Duschgel, das der Markt hergibt, sondern es kam bis vor knapp drei Jahren in einer sehr praktischen, aber (deshalb) unspektakulären Verpackung. Eine weisse abgeflachte Plastikflasche mit Kippöffnung oben und einer am Deckel befestigten Schlaufe, um das Duschgel in der Dusche aufhängen zu können. Obendrein half die Lasche die nasse und glitschige Duchgelverpackung sicher unter erschwerten Bedingungen (nass und glitschig) zu bedienen. Und was pflegt in dieser Welt mit einfachen und praktischen Dingen zu passieren? Richtig, das Internationale Komitee für Marketingaffen und lobotomierte DesignerInnen wird irgendwann einmal auf den Missstand aufmerksam und entsendet Krisendesignkräfte. Die haben dann vor drei Jahren bei Algemarin kurzen Prozess gemacht und die Flasche komplett ersetzt. Durch eine doppelt so grosse (aber seltsamerweise immer noch 300 ml fassende) Miniatur des komischen Abu-el-Dingsbums-Hotels in Dubai. Das, das so aussehen soll wie ein Segel, nur in durchsichtig und mit blauer Suppe gefüllt. Obendrein bekam die Abu-el-Duschgel-Flasche noch auf der Bauchseite eine Reihe tropfenförmiger Noppen, die anscheinends drei Zwecke haben: a) das Abu-el-Bumsfallera-Hotel hat diese Noppen nicht, damit zeigt das primatöse Designteam geistige Schöpfungshöhe im Sinne des Urheberrechtes auf, b) die Noppung soll die unförmige, glitschige, und nasse Flasche mit besserem Handling versehen (quasi wie ein Profil, nur passt das nicht zum Konzept mit Meer und Abu-Trulala und Duschen), und c) führen diese zu gesteigerten Lusterlebnissen bei rektaler Anwendung der Flasche. Zu a) ist mir bisher kein Urteil oder Gutachten bekannt und meines Wissens haben die Marketingaffen vom Abu-el-Schnickschnack Algemarin noch nicht verklagt und ausserdem ist mir das unter der Dusche an den meisten Tagen relativ egal, b) funktioniert nicht, die Flasche bleibt genau so glitschig und flutschig wie eine glitschige und flutschige Flasche im Stromlinien-Design eben werden kann, und den Mehrwert von c) kann ich in Ermangelung des Bedürfnisses nach dieser Anwendungsform leider auch nicht geniessen - ein klassischer Fall von selbstbezogenen Fehlentscheidungen hinsichtlich der KundInnen, liebe lobotomierte Affen. In dieser Situation gefangen, füllte ich von da an jedesmal mein Duschgel aus der Abu-el-Primat-Flasche in die alte Verpackung um, denn an der Rezeptur hatte sich glücklicher Weise nichts geändert. Leider ließ ich die Flache dann bei einer Tagung in Oldenburg zurück und fand es dann doch etwas zu übertrieben, einige Tage später bei der Hausverwaltung anzurufen und sie zu bitten, mir eine Flasche Duschgel nachzusenden. Man soll ostfriesische Bauern nicht mit ihrer Phantasie alleine lassen, besonders wenn es um die Beziehungen von Grossstadtbewohnern zu ihren Duschgelflaschen angeht. Als Landbevökerung ist man da ja per se vorbelastet. Und so habe ich mich dann recht erfolglos durch Regale von Surrogaten geduscht. Alle anderen Konzepte von Henkeln und Ösen entbehrten dieser einfachen und effektiven Lösung - besonders der Henkel-Klapp-Falt-Verschluss-Kretinismus bei Duschdas. Hier waren die lobotomierten Primaten schon Jahrzehnte früher am Werk. Daher auch meine Freude, heute in der Drogerie neben dem 300-ml-Gebinde in Abu-el-Lobot-Form auch eine kleine Version mit 150 ml in altbekannter (nur niedriger) Form zu sehen. Ich will bei weitem nicht alle Denkvorgänge in den Ganglionen der Marketingaffen verstehen - eingentlich keinen, um genau zu sein - aber was sie auch immer geritten hat, das alte Design zusätzlich in neuer Abgabegröße zu positionieren, das würde mich schon interessieren. Dass der Literpreis bei der 150-ml-Variante knapp 8 Cent unter dem bei 300 ml liegt, ist wohl auch ihnen zuzuschreiben.
20.11.05 . 17.10 . →
| Comments (0)
Verkehrkrankheiten
Münster ist die größte Stadt Deutschlands ohne schienengebundenen öPNV und wird im weltweiten Vergleich vermutlich nur von Städten wie Mumbay oder Madras überholt. Dass deutlich kleinere Städte zu der Zeit als Münster die letzten Gleise rausriss, bereits anfingen wieder Straßenbahnen einzusetzen, hat einen sehr einfachen Grund: Förderkapazität. Es geht hier nicht mal - wie sonst immer - primär um Geld, nein, nur um die Förderleistung in Personen pro Querschnitt pro Zeiteinheit.
Münster ist als Stadt sehr weiträumig verteilt und hat deshalb in lächerlich weit ausserhalb liegenden Stadtteilen, grosse Mengen seiner BewohnerInnen, die fast alle morgens in die Stadt und abends wieder aufs Land hinaus wollen. Dies dürfte die Grundlage für den doch einmaligen Verkehrsmittelmix dieser Stadt sein. Zunächst wären da die Busse. Ein sehr grosses, weit gefächertes und dichtes Netz, welches auf den Hauptstrecken im 10-Minuten-Takt gefahren wird. Je näher man zum Zentrum kommt, desto mehr überlappen sich die Linien und die Taktdichte steigt auf ca. 3 Minuten an. Leider reicht das zur rush-hour auch nicht aus. Die Busse sind zum Bersten voll, und es passiert öfter, dass Busse an Haltestellen einfach vorbeifahren, weil wirklich niemand mehr reinpasst. Bitte stellt euch das jetzt nicht wie einen Bus im Karlsruher Stadtverkehr vor, eher wie eine japanische U-Bahn, nur ohne weiss-behandschuhte Japaner. Eine Lösung gibt es nicht, denn länger als diese Gelenkbusse kann man einen Bus auch nicht machen und den Takt noch weiter zu erhöhen, geht einfach nicht. Denn schon jetzt wälzt sich an etlichen Bereichen der Innenstadt ein ununterbrochenes Förderband aus blauen Ziehharmonikabussen durch die engen Sträßchen. Es gibt einfach keinen physikalischen Raum mehr für noch mehr Busse. Damit kommen wir zum zweiten Standbein des Münsteraner Verkehrs. Das Auto. Schon Astrakid sang "Ich wünsche mir nur einen Parkplatz in Münster", Erich von Däniken war überaus verärgert, hier in diesem Gewirr aus Einbahnstraßen und Sackgassen keinen Parkplatz zu finden und meidet seither die Stadt. Nur, Parkplätze gibt es in Münster Unmengen. Jede ebene (sind sie hier alle) und unbebaute (auch etliche) Fläche bekommt eine Absperrung drumrum und an den Eingang eine blaue Bude mit Personal. Keine Automaten, nein, hier in Münster schaffen die Parkplätze locker hundert Arbeitsplätze des anderswo verschollenen Berufsstandes des Parkplatzwärters, oder eher der Wärterinnen. Die Parkplätze sind meistens 15 Minuten von den Haupteinkaufstraßen entfernt, voller knietiefer Schlaglöcher, unbeleuchtet ( man waldparkplatz) und sackteuer. Zum Glück müssen viele MünsteranerInnen dort nicht parken, denn die Parkplätze sind immer proppevoll. Parken funktioniert hier nach dem gleichen Konzept, nach dem im 19. Jahrhundert in Arbeitersiedlungen geschlafen wurde: rotierend. Mensch steht abwechselnd auf dem Parkplatz oder im Stau an der Zufahrt oder Ausfahrt vom Parkplatz. Was in etwa dem gesamten Innenstadtgebiet entspricht.Bleibt also noch das berühmteste Verkehrsmittel Münsters, das Fahrrad. Nicht ohne Grund fährt jedeR Rad, da alles andere mit massiven Nachteilen verbunden ist. Münster hat geschätzte 500.000 benutzte Fahrräder. Das ist knapp doppelt soviel wie es EinwohnerInnen hat, zeigt aber deutlich, dass sehr viele von denen und ihren BesucherInnen mit dem Rad in Münster unterwegs sind, etwa 100.000 täglich. Ab dieser Größenordnung können RadlerInnen nicht mehr im Verkehr ignoriert werden, dies führt zu mehreren Effekten. Als FußgängerIn muss man in Münster um sein Leben fürchten, in der gesamten Stadt herrschen Zustände wie andernorts in den Unis. Die ohnehin verstopften Straßen werden durch Horden RadlerInnen beherrscht, Münster muss massive Radinfrastruktur entwickeln und wird radfreundlichste Stadt Deutschlands. AutofahrerInnen entdecken das Plattfahren von RadlerInnen als effektive Möglichkeit, sich im Verkehr den angestammten Platz an der Spitze der Pyramide zurückzuerobern. Stand September lag die Anzahl der fast immer unverschuldeten Opfer unter den RadlerInnen bei 398 Verletzten und mindestens drei Toten. Wenn allerdings das Wetter zum Winter hin eklig naßkalt wird, dann fahren nur noch die ganz harten Rad, und der Rest steigt auf Bus und Auto um, was in Anbetracht der bereits bei gutem Wetter katastrophalen Lage in Bussen und auf den Straßen die Situation erheblich verschärft. Eine Straßenbahn zu bauen, weigert sich die Stadt allerdings schon seit Jahrzehnten - aus Rücksicht auf den automobilen Individualverkehr und seine Lobby.
19.11.05 . 17.15 . →
| Comment (1)
Arme Musikindustrie, oder warum BMG dumm wie Brot ist.
Weil ich prinzipiell keine Audiodatenträger mit Kopierschutz kaufe, hatte ich keine Erfahrungen mit dieser Sorte Pest. Jetzt fand sich aber zufällig in meiner CD-Sammlung eine CD die von einer Bookingagentur als Werbematerial rumgeschickt wurde. Auf der CD irgendeine Dudelband (die CD liegt bestimmt schon ein Jahr herum, ohne dass ich jemals das Verlangen hatte sie zu hören) und der CactusDataShield200.
Empirischer Test mit iBook-CDROM und NAD-CD-Player: Im iBook läuft die Un-CD und ließe sich natürlich auch rippen, aber dafür ist mir die Band wiederum zu öde, und im CD-Player verursacht sie eine Dauerschleife bei der Positionierung des Lasers. Mission gelungen, würde ich hier mal sagen.
19.11.05 . 16.54 . →
| Comments (0)
Das totale Weihnnachten
ist in Münster ausgerufen worden, und mich hat man nicht mal gefragt, ob ich will, geschweige denn propagandistisch indoktriniert.
Die übliche Beweihnachtung im Groß- und Einzelhandel seit Mitte August ist für mich nichts Neues, aber der Umfang in dem seit diesem Wochenende in Münster zurückgeweihnachtet wird, ist erschreckend. Die komplette Innenstadt, auch so schon recht mobilitätseinschränkend, wird mit Weihnachtsbuden, –bäumen, –männerinnen, –wäldern mit Schneeimitat, und, und, und, und, zugebombt. Das ist nicht Münster im Weihnachtsrausch, das ist eher ein Quadratkilometer Taiga, in dem Santa Klaus und seine Wilden Wichtel, die größte Orgie des Jahrhunderts zu feiern gedenken. Sollen sie nur kommen, ich bin bereit bis zum letzten Hawaii-Hemd zu kämpfen!
14.11.05 . 17.54 . →
| Comments (0)
Walkloden
steht auf dem Schild vor irgendeinem Geschäft. Meinereiner liest [wolk-loden] und wundert sich über das nächste seltsame Trendsportzubehör. Auf den zweiten Blick wird erkennbar, dass das die Werbetafel eines Wolle & Strickladens ist, und somit natürlich [walk-loden] gemeint ist. Im dritten Schritt erinnere ich mich an den Oberbayer, den ich in Weimar getroffen habe und der allen Anwesenden stundenlang von seiner [nordik-walken]-Wirtschaft berichtete. Zumindest bei dem findet man dann auch [walk-loden].
14.11.05 . 14.10 . →
| Comments (0)
osnabrueck
haelt den rekord in minimaler verweildauer. einziger lichtblick, der bahnhof ist sehr originell aufgebaut: die planer haben den begriff eisenbahnknotenpunkt woertlich genommen und zwei zugtrassen direkt unter 90 grad gekreuzt. der bahnhof hat also bahnsteige, die in O-W-richtung liegen und darueber bahnsteige, die in N-S-richtung liegen. das gebaeude traegt diesem umstand in der form rechnung, dass es irgendwie seltsam dreieckig mit anwandlungen von faecherstruktur ist und man die tuecke der gekreuzten gleise erst nicht erahnen kann, da sie einem nicht wirklich offensichtlich erkannbar in einer ueberfuehrung verborgen sind. versucht man allerdings um den bahnhof einmal im kreis zu laufen, landet man wider erwarten genau an dem bahnsteig, wo man vor zehn minuten ausgestiegen ist. und weil der zug der hinfahrt in wenigen minuten wieder nach muenster faehrt, nimmt man diese gelegenheit auch glatt wahr.
14.11.05 . 10.24 . →
| Comments (0)
Mein Freund der Monitor ist tot ...
… er starb im frühen Morgenrot.
Ich habe nun die traurige Aufgabe, die Welt vom Dahinscheiden meines innig geliebten Apple-Monitores in Kenntnis zu setzen. Mein langjähriges, treues und immer einsatzbereites Apple Studio Display hat vergangenen Freitag nach kurzer aber schwerer Krankheit unsere Welt verlassen. Es hinterläßt eine schmerzliche Lücke von immerhin 42 x 43 cm2 auf meinem Schreibtisch und eine noch nicht absehbare Lücke von etlichen Euronen in meinem Portemonnaie. Leb' wohl, mein treuer Freund … schluchz
12.11.05 . 13.12 . →
| Comment (1)
damals, als ich noch im uschda war
Auf vielfache Nachfrage erzähle ich jetzt mal die Geschichte, wie ich den Campus der Uni Karlsruhe eigenhändig gegen die Campusinvasion MTVs verteidigt habe, damals im Frühjahr '41 oder '43, ist schon lange her, das.
An einem der üblichen Vormittage, an denen das Telefon nicht stillstehen konnte und offensichtlich die ganze Republik mit UStA-Unterstützung Autos mieten, oder Deutsch lernen wollte, und ich mich, wie so oft in diesen Monaten fühlte, als ob ich in das Amt des Frollein-vom-Amt-Referenten gewählt wurde, an so einem Vormittag eben klingelte das Telefon und das Display auf dem Telefon displayte eine Nummer, die dem Vorwahlbereich einer grossen, deutschen Stadt entsprach, eine Vorwahl, die sich selten in das Telefonnetz des UStA zu verirren pflegte und somit natürlich mein Interesse weckte. Mein freundlicher Gesprächspartner wusste erfreulicherweise bereits im Vorfeld, dass er beim UStA der Universität Karlsruhe in Karlsruhe angerufen hatte – eine keineswegs triviale Voraussetzung bei großen Teilen meiner sonstigen AnruferInnen – und kam auch gleich auf sein Begehren zu sprechen – wenig ist mir lieber als Telefonate, die ohne Umschweife zu dem Punkt kommen, an dem meine Mitwirkung gefragt ist – er sei von der Werbeagentur XY aus Grosstadt und wolle wissen, ob denn der UStA der Universität Karlsruhe Interesse an … schon drohte Das Schwert Des Gerechten Zorns Auf Marketingaffen[tm] auf ihn herab zufallen, da sagte er die magischen Worte … der diesjährigen Aufführung der MTV-Campusinvasion in seiner (sic!) Uni habe. Wenn die Sachlage sich in dieser Form darstellt, dann war es sogar mir klar, dass hier eine einmalige Gelegenheit bestand, sich mit Ruhm für die Nachwelt zu beklotzen, dass man vor lauter Ruhm kaum noch stehen könne, und ich handelte wie ein Profi, wie richtig harte, aber faire GeschäftspartnerInnen so zu handeln pflegen, ich stellte die einzig zulässige Frage in diesem Moment: "Was ist denn das?" Aus der Pause, die sich an dieser Stelle des Gespräches im Büro einer Werbeagentur in Grosstadt, in der Mitte des Raumes in einem Fabrikloft materialisierte und dann in zähflüssiger, hochviskoser Form durch die Telefonleitung bis nach Karlsruhe in mein Ohr diffundierte, an Hand dieses Punktes war mir klar, dass der Rest des Vormittags bis zum dann schwerverdienten Mensafrühstück unzerstörbar legendär, Stoff für Epen und Heldengesänge vieler Generationen werden würde. Mir wurde in fast forward der aktuelle Stand der Jugend- und Postjugend- und der Allgemeinkultur nahegebracht, ich wurde über die Bedeutung von Fernsehen im allgemeinen, und MTV im besonderen in unserer Zeit und unserer Aufmerksamkeitsökonomie aufgeklärt, über die unbeschreiblichen Wonnen und Segnungen daran teilzuhaben informiert, und von den Lobpreisungen auf die musischen, kulturellen, sozialen und sportlichen Und ob ich Interesse an einer Monsterveranstaltung für dreißigtausend Leute mitten in unserer Universität hatte, ich riss mich förmlich um diesen Moloch der Mainstreammusik, der ebenso wie Godzilla japanische Pappmache-Städte, ebenso die kulturelle Vielfalt unserer Universität bereichern würde, eine Veranstaltung, die aus einer langweiligen grünen Wiese in Mitten unserer Elite-Uni, ein Festivalgelände mit Southside-Feeling machen würde, ein Event, welches seine weitreichenden positiven Synergieeffekte auf Jahre hinaus in unserer Universität hinterlassen würde. Ich bekundete auf der Stelle äußerstes Interesse und frug nach den Vorstellungen der Agentur im Hinblick auf eine fruchtbare Zusammenarbeit von gleichberechtigten Vertragspartnerinnen auf gleicher Augenhöhe, erhielt aber, die mich in keinster Weise demotivierende, Auskunft, dass MTV in dieser Uni Hof zu halten gedenke, und uns, also die Studis und ihre Uni mit ihren Selbstbespassungseinrichtungen wie ASV und U-Modell, natürlich in angemessener Weise an der reichen Ernte dieser himmlischen Bescherung teilhaben lassen würde, als Link auf ihrer Webseite zum Beispiel, oder sogar auch mit einer Ansage auf der Bühne, er bräuchte nur einige Informationen um dieses Event auch richtig losplanen zu können und dann mit diesem richtig losgeplanten Konzept bei MTV, so einen richtig losgedröhnten Oberschwof zu veranlassen – zum Beispiel wäre es sehr interessant, ob wir denn in Karlsruhe eine Fläche in der Universität hätten, die für einen Oberschwof mit immerhin sieben Punkten auf der nach oben offenen Schwofigkeitsskala, in ausreichender Weise geeignet wäre, weil ja immerhin dreißigtausend Besucher und paarhundert Personal und immerhin noch ein bis zwei Robbie Williams unterzubringen wären – Robbie Williams, wir würden Robbie Williams an unsere Ich antwortete, nach einem Schwof der Magnitude sieben gierend, etwas ausweichend und beschämt, dass wir zwar wohl eine Fläche inmitten unserer Universität hätten, diese aber leider aus hier nicht relevanten Gründen (die Siebzigerjahre und das ästhetische Verständnis unserer Uniführung in den nachfolgenden Jahrzehnten) einerseits unförmig-kreisförmig mit einigen Mülleimern und Laternen, zwar nicht in ihrer Mitte und nur am Rande, aber trotzdem eben doch noch auf der Fläche, nun doch etwas eingeschränkt sei, aber viel schlimmer noch in ihrem, leider grasbedecktem Zustand in regelmäßiger Art und Weise einigen Studierenden als Liege- und Grillwiese zur Verfügung stehe, und man in diesem Fall das Problem hätte, dass man diese Wiese vor der Veranstaltung von liegenden und grillenden Studierenden zu reinigen hätte und natürlich auch während der Veranstaltung darauf achten müsste, dass diese nicht irrtümmlicher Weise sich wieder auf die Wiese verirren würden, natürlich wäre dies kein Problem, wenn die Wiese großflächig im Vorfeld abgesperrt werden würde, aber leider fehlt in Anbetracht der Lage der Wiese die gebotene Großflächigkeit, die für eine großflächige Absperrung nun einmal unabdingbar ist, und außerdem hätten wir als Studierendenvertretung anschließend das Problem, dass sich ebendiese liegenden und grillenden StudentInnen anschließend bei uns beschweren würden, wenn diese Fläche dann, was ja wohl zu erwarten wäre, eine beschädigte Rasenfläche aufwiese. Leider konnte der nette Mann von der Agentur, ich glaube er stellte sich als Jan, oder Jörn vor, nein nicht als Jan-oder-Jörn, in der Art, wie diese Namen eben klingen, aber ich meine mich zu erinnern, dass seiner nicht mit "J" anfing, wie gesagt, dieserjener konnte leider mit dieser Fläche nichts anfangen, weil die ja auch zu klein sei, er habe in der Zwischenzeit einen Uniplan im Netz gefunden und dort nachgesehen, und die Fläche sei wirklich eine Wiese in einer doch recht ungünstigen Form, und mein Einwurf, dass derzeitig auch noch eine 24-Stunden-Bibliotheks-Baustelle in unmittelbare Nähe zu einer Einschränkung der Zufahrten durch Schwerlastverkehr mit verschmutzter Fahrbahn führen würde, ließ uns gemeinsam feststellen, dass diese unförmig-kreisförmige Rasenfläche in der Mitte der Universität, die wir hier in Karlsruhe der Zeitersparnis halber, kurzerhand als Forum bezeichnen, dass diese Fläche offensichtlich – und zu seinem großen Bedauern, nicht als Veranstaltungsfläche für einen Schwof der Magnitude sieben geeeignet wäre, und ob wir denn in Karlsruhe keine Ausweichmöglichkeiten auf dem Campus hätten. Glücklicherweise hatte ich in diesem Moment den Campusplan mir vorliegen und konnte die fast ausweglose Situation noch gerade retten, in dem ich den deutlich großräumigeren Waldparkplatz ins Spiel warf, mit der Anmerkung, dass dieser über einige Vorzüge verfüge, wie etwa unbeschränkte Kapazitäten (zumindest für uns bekannte Werte von Kapazität), eine verkehrsgünstige Lage direkt am Adenauerring und den bereits im Naturzustand nicht vorhandenen Rasen- oder Asphaltbelag, der somit auch gar nicht erst beschädigt, oder gar zerstört werden könne, und außerdem schon im täglichen Betrieb, auch in Karlsruher Sommern mit einem fantastischen Klima aufwarten könne, da er zu wesentlichen Teilen mit großen Bäumen bepflanzt sei, daher ja auch der Name Waldparkplatz, weil dieser nicht nur hinter jenem liege, nur ein kleines Stück allerdings, sondern auch mit selbigem bepflanzt sei, genauer gesagt, eigentlich eher eine Art von Parkplatz im Wald sei, aber mit großen Lichtungen und Durchfahrtsstraßen und mit einer Tradition, hier in Karlsruhe Feste auf Parkplätzen im Wald abzuhalten, die allerdings eigentlich auf anderen Parkplätzen im Wald stattfinden würden, und wohl auch etwas kleiner wären, aber immerhin trotzdem immer ganz toll waren und es hier auf diesem Waldparkplatz bestimmt auch gehen würde, man müsse die Bühne eben nur etwas kleiner machen, oder sie einfach längs in so eine Allee stellen, dann wäre das alles überhaupt kein Problem und die Autos, die könnte man vorher abschleppen lassen und einige der größeren Löcher bestimmt auch kostenlos von der Uni instandsetzenlassen, da sie – also die Schlaglöcher – auch im Alltagsbetrieb ihnen – den AutofahrerInnen und der Uni – schon lange ein Dorn im Auge wären und bei dieser Gelegneheit könnte man ja auch eine Beleuchtung des großen hinteren, komplett im finsteren Hardtwald liegenden Teiles des Waldparkplatzes angehen. Leider konnte Jens-Jörg meine Begeisterung für diese Ausrichtungsstäte nur sehr begrenzt teilen und erkundigte sich nach weiteren Flächen, worauf ich, den Waldparkplatz noch längst nicht abgeschrieben habend, einwarf, dass er, der Waldparkplatz auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sei und fester Bestandteil des Campusleben sei, zumindest bei den Studierenden, die ein Auto besässen, was in Karlsruhe nun doch einige sind, da viele Karlsruher Studis noch bei ihren Familien in der Vorderpfalz leben würden, und nicht alle, zum Glück, eine Einfahrtsgenehmigung für den Campus hätten und deshalb den Waldparkplatz gut kennen würden und somit der Waldparkplatz quasi auch ein Mittelpunkt der Uni karlsruhe wäre, nur eben nicht in der Mitte, aber das ist ja oft so mit Mittelpunkten, dass sie nicht genau in der Mitte lägen, und ob es wirklich nicht ginge, dort den Schwof stattfinden zu lassen, denn mit weiteren Flächen sieht es in der Universität eher schlecht aus, viele der Freiräume auf der Karte seien bereits zugebaut, oder würden es in den nächsten Wochen sein, eventuell könne ich mir aber auch vorstellen die Veranstaltung im Hof der Westhochschule stattfinden zu lassen, diese sei im Campusplan oben links in einer separaten Karte eingetragen und liege nur einige Minuten vom Hauptcampus entfernt, und sei auch täglicher Bestandteil des Campuslebens, also für eine Identifikation der Studis mit dem Schwof und ihrer Uni eigentlich perfekt geeignet, denn Platz sei da in der Mitte zur Genüge, die Karte habe dort bestimmt einen kleineren Maßstab als der Hauptcampus, und durch die Lage zwischen diesen historischen Gebäuden würde richtiges Universitätsfeeling aufkommen, also in der Art wie historische Unis wie Oxford oder Yale eben wirken, mit ihren alten Sandsteingebäuden und den ganzen Rasenflächen, die es in der Westhochschule aber zum Glück nicht gibt, denn der Platz werde normalerweise auch als Parkplatz benutzt und der Belag besteht somit aus Splitt und altem Asphalt, um den es auch nicht schade sei, der aber trotzdem deutlicher besser ist als der Boden auf dem Waldparkplatz, und die Größe, die würde mindestens – ich wiederholte die Frage ins Büro hinein, die würde locker so ein Hektar sein, oder zumindest doch vierzig mal vierzig Meter mindestens und außerdem wirke der Platz durch die historischen Gebäude auch viel größer. Doch leider war Jacob-Jêrome auch für die Westhochschule nur mäßig zu begeistern, und wandte Details, wie eventuelle Probleme mit dem Bühnenaufbau und der Logistik ein, erkundigte sich nach weiteren Flächen, einer Frage, bei der ich dann schlussendlich bekennen musste, keine weiteren Flächen mehr zu kennen, denn das Gebäude 99.20, das Außengelände des Maschinenwesens im Baubetrieb war mir zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt und somit auch außerhalb meiner möglichen Ausweichflächen und somit wohl auch Ursache dafür, dass Joseph-Johann zwar versprach, das Konzept mit der Westhochschule zu verfolgen und sich bei mir wieder zu melden, aber bis zum heutigen Tage nicht zurückgerufen hat.
10.11.05 . 13.05 . →
| Comments (5)
Antiheimwerken
Da einige unbedingt mit Heimwerkerdicksizing anfangen müssen:
Ich habe vor zwei Wochen eine Dartscheide nur unter Zuhilfenahme von Gaffa an eine Diamantbetonwand geklebt. Eat this, you Dünnbrettbohrer.
09.11.05 . 12.31 . →
| Comment (1)
Langweiligkeitsindikator
Über den Ausdruck Feldspatvertreter kichern zu können, ist ein klassischer Langweiligkeitsanzeiger der gemäßigten Breiten in universitären Veranstaltungen zur Mineralienbestimmung.
Psst! Hey, Sie da! Ja genau Sie! Wollen Sie einen Feldspat kaufen?
08.11.05 . 18.31 . →
| Comments (2)
DE > ENHeld der Arbeit
Für das selbstlose Aufräumen, Sortieren, Wegwerfen und Archvieren von sechs Jahren Mac-Daten verleihe ich den Orden "Held der Arbeit", am purpurnen Bande an:
Mich Das ist leider der Nachteil an stabilen Arbeitsumgebungen, es sammelt sich viel Datenkompost an. Eine Analogie zwischen jährlichen Windows-tabula-rasa-Installationen und der Dynamik der Waldbrände in der Feuerökologie scheint nicht so weit weg zu sein. Allerdings halte ich den datenökologischen Wert der Windowsbodenfeuer für – gelinde gesagt – bescheiden.
07.11.05 . 10.39 . →
| Comments (0)
(Page 1 of 2, totaling 19 entries)
» next page
|
ArchivesQuicksearchBlog abonnierensonstwoBlog Administration |
Angemerkt